Montag, 26. Mai 2008

Wo ist die Zahnfee, wenn man sie mal braucht?

Heute war ich beim Zahnarzt. Das erste Mal seit ich mich der elterlichen Obhut so weit entziehen konnte um selbst festlegen zu können, wer mir in den Mund schauen darf und wer nicht. Eine Routinekontrolle habe ich angemeldet am Telefon, nur mal schauen.


Röntgen. Ich bin ganz und gar nicht ängstlich. Irgendwie beruhigt es mich inzwischen sogar, dass man meine verbrannte Leiche nun nach meinen Zähnen identifizieren kann. Aber es ist doch irgendwie beunruhigend, wen man eine Bleischürze umgehängt bekommt, auf irgend etwas draufbeissen und sich nicht bewegen soll, während die Zahnarzthelferin fast schon fluchtartig das Zimmer verlässt und sich diese Teufelsmaschine in Bewegung setzt. Soll sein. Bei Hulk hat es ja auch so ähnlich angefangen.


Dann pflanzte man mich in diesen Behandlungsstuhl. Zeit, sich die Bilder an der Wand anzusehen. Von Kindern gemalt. Nett. Da war eines, da stand drauf "Der Zahnarzt muss nicht weh tun." Naja, muss nicht. Kann aber. Und noch eines, mein Lieblingsbild: Offenbar ein Selbstportrait. Mit weit aufgerissenem Mund und schwarz angemalten Zähnen. Optisch verwandt mit "Der Schrei". Im Hintergrund: selbiges Kind auf dem Behandlungsstuhl - wohlgemerkt der selbe, in dem ich in diesem Moment lag - Auf dem Behandlungsstuhl also mit vom Körper weggestreckten Armen und Beinen. Ein Meisterwerk.


Erste Zweifel beschlichen mich. Mir schossen Szenen aus "Saw" "The Dentist" und "Hostel" durch den Kopf. Na wunderbar. Der Zahnarzt samt Assistentin kommt. Ein älterer Herr mit weissem Vollbart. Ich werde in Position gebracht. "Sie haben ja keine Angst, oder?" "Nicht vor Ihnen, nur vor den Schmerzen."


Nach ein wenig Rumgekratze: "Sie haben Ansätze von Karies, es werden circa zwei bis drei Behandlungen nötig sein, wir fangen mit der ersten sofort an." Und so schnell konnte ich gar nicht schauen, haben diese beiden Quälgeister schon ihre Schutzmnasken auf und den Bohrer in der Hand. Na toll, bohren in meinem Mund herum und Hauptsache die haben Schutzbrillen. Ich krieg nicht mal eine Spritze.


Er muss die Panik in meinen Augen gesehen haben und sagt so etwas wie: "Seien Sie entspannt, es geht ganz schnell." Ich versuche etwas geistreiches zu antworten aber durch diesen Sauger im Mund hört sich alles an wie Ertrinken.


Ich stelle mir vor, die Bohrgeräusche sind Bienen auf einer Frühlingswiese bis mir einfällt, dass ich penetrant summende Bienen noch nie besonders mochte. Irgendwann trifft der Bohrer endlich den Nerv und der Schmerz, auf den ich so lange gewartet habe, tritt endlich ein. Ich bin fast schon erleichtert. Pappen mir das Loch wieder zu und geben mir zwei weitere Terminen die Woche darauf. Der Zahnarzt meint: "Bis nächste Woche." "Ja, bis dann, ich freu mich schon. Sie kennen soch sicher die Folge von Mr. Bean beim Zahnarzt, oder?"


Aus irgend einem Grund fange ich im Nachhinein zu Lispeln an, was für Erheiterung im Büro sorgt. Ein netter Kollege hat Torte mitgebracht, von der ich noch nichts essen soll. Ich beschliesse, dass der Tag fast schon gelaufen ist aber - wer weiss - vielleicht male ich ihm noch ein Bild.