Tiamat - Amanethes
2008 Nuclear Blast [NB 2013-0]
1. The Temple Of The Crescent Moon
2. Equinox Of The Gods
3. Until The Hellhounds Sleep Again
4. Will They Come?
5. Lucienne
6. Summertime Is Gone
7. Katarraktis Apo Aima
8. Raining Dead Angels
9. Misantropolis
10. Amanitis
11. Meliae
12. Via Dolorosa
13. Circles
14. Amanes
15. Thirst Snake (Limited Edition Digipak Bonus Track)
Eine neue Scheibe von Tiamat also... Ich hatte Tiamat irgendwie schon unter "langatmiger Gothicrock" abgelegt. Amanethes beginnt wie ein Ausbruchsversuch aus dieser Schublade. Die dann aber nicht weit genug aufgeht. Es ist jedenfalls ein abwechslungsreiches Album geworden, das zum Teil sehr überrascht.
Der Opener The Temple Of The Crescent Moon erinnert an die frühen Paradise Lost, weiß aber nicht ganz zu überzeugen. Es wirkt zusammengeflickt, wie ein inhomogener Haufen an Ideen, die alle umgesetzt werden mussten, auf Teufel komm raus. Die nasale Fiepsstimme der Sängerin, die den Refrain untermalt (unterwandert?), ist etwas nervig, wenn man sie erst entdeckt und dann genauer drauf achtet, weil man weiss, dass da was ist...
Dann die ersten Sekunden von Equinox Of The Gods und man weiss nun wirklich nicht mehr ob da nicht doch eine falsche CD rotiert. Ich glaube, so etwas schnelles hatten Tiamat bisher noch nicht im Repertoire. (Zugegeben: Ich kenne die Scheiben vor Clouds nicht.) Schwarzmetallisch angehaucht, aber viel mehr dann doch nicht.
Dann folgt die erste "echte" Nummer, von der man hätte sagen können, dass man sich so etwas von Tiamat erwartet hätte: Until The Hellhounds Sleep Again ist eine getragene Nummer mit viel Keyboard und und viel Langsam und viel typischer Johan Edlund Stimme.
So geht es auch weiter. Will They Come? hat einen Refrain, der zumindest ins Ohr will, auch wenn er dann doch nicht ganz reingeht. Der Rest hat die Dynamik eines alten Großmütterchens auf ihrem Waffenrad auf dem Weg zum Friedhof. Blumen giessen.
Lucienne: Der Refrain ist wieder als ein .. Annäherungsversuch an Paradise Lost zu werten, den Rest bedecken wir mal mit dem Mantel des Schweigens. Leider schweigt Edlund nicht, denn die Performance der Strophen ist meines Erachtens nach grauenhaft.
Um die Sache zu verkürzen, hebe ich noch die positiven Überraschungen hervor - denn das Album, das 14 Songs beinhaltet ist mit einer Spielzeit von 66:55 sehr üppig ausgefallen.
Raining Dead Angels ist für tiamat'sche Verhältnisse ein Tritt in den Arsch und ich liebe die Frauenstimme, die Hexi, Hexi oder so flüstert. ;-)
Ein emotional geladener Song und hervorzuheben ist Misantropolis, aber das Lied, das am wenigsten Tiamat ist und sehr stark an Pink Floyd erinnert, kommt gleich darauf und hört auf den Namen Meliae. Komm her, Meliae, und entfalte deine radiotauglichen Flügel und breite deine Schönheit aus über uns. Schön. Nicht Metal, nicht Gothic, nur Musik, nur schön. Hugh.
Es bleibt ein Eindruck zurück nach dem Hören dieses Albums. Allerdings sieht es aus wie ein Rohrschach-Test und man weiss nicht genau, ob man nun geisteskrank ist oder nicht wenn man jeden zweiten Tintenklecks als Vagina von-wem-auch-immer wahrnimmt. Was ich damit sagen will ist, dass das Album ein paar Highlights zu bieten hat, viel Mittelmaß (bzw. altbewehrte tiamateske Klänge) und ein den einen oder anderen Ausrutscher. Fans von Tiamat werden sicherlich bedient werden, die, die mit der Band noch nie etwas anfangen konnten werden auch weiterhin einen Bogen um diese Musik machen bzw. um die Boxen, aus denen sie entströmt.
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