Samstag, 15. Dezember 2007

Wortmeldung

Experiment Weblog gestartet. Nun gut. Man will sich ja mitteilen. Hält seine Gedanken und schlussendlich sich selbst für so wichtig, um ein Teil der medialen Zukunft zu sein. Zum Teufel damit, ist das nicht ein Problem dieser Zeit? Ist es nicht so, dass jeder sich bemüssigt fühlt zu Allem (und über Jeden) eine Meinung zu haben? Die in den wenigsten Fällen - und da sind wir auch schon - fundiert ist. Schmetterlingsbauchgefühle sind Ausschlag gebend und Indikatoren für Rechts- und Unrechtsempfinden. Was man nicht versteht ist vorerst und meist auch nachhaltig deppert und was einem selbst nützt grandios ohne Rücksicht auf das Ganze.

In der vorweihnachtlichen Debatte über die Abschiebung der 15-jährigen Arigona Zogaj sind nun, da "die Asylanten" ein Gesicht bekommen haben, zum Teil auch jene weich geworden, die vordem nach Härte riefen.

Ist es nun Recht oder Unrecht, was dem unfreiwilligen Zugpferd der Integrationspolitik da widerfährt? Österreichisches Recht jedenfalls, wie Bundeskanzler Gusenbauer bekräftigt hat. Aber "Menschenrecht", wie liberal- bis linksorientierte Gruppen es nennen, wohl eher weniger. Vom Gefühl her, aus dem Bauch heraus...

Die öffentliche Meinung ist ja ein Zeitungsblatt der Krone im Wind. Nach zwei Leitartikeln über "Negerdealer" und "Ostbanden" ist Arigonas Schicksal wieder vergessen bis nach einem Jahr "Was geschah eigentlich mit..." gefragt, leidlich emotionell verfasst und gedruckt wird. Spätestens dann wird sich auch herausstellen, was nun mit dem versprochenen Traktor geworden ist.

Aber mal ernsthaft gefragt:
Kann man ein Einzelschicksal zu einem Präzedenzfall machen? Ist es eine "Bankrotterklärung der Menschlichkeit", wie es die grüne Menschenrechtssprecherin Brigid Weinzinger postuliert hat, oder doch eine Exekutierung geltenden österreichischen Rechts, was hier passiert?

Ist es nun mehr, weniger oder gleich viel Unrecht, wenn man ein nettes 15-jähriges Mädel dorthin zurückschickt, wo es nie wirklich herkam? Hm, Sudokos lösen ist einfacher. Parolen, welcher Ideologie auch immer, brüllen auch und sowieso: was geht mich das nun an? Es erinnert mich an etwas, das ich mit vielen Österreichern gemein habe: Ich kenne die Gesetze dieses Staates nur soweit, wie sie mich unmittelbar betreffen. Haben Sie schon mal die 118 Seiten des Fremdenrechtspaketes 2005 gelesen? Ich nicht. Also halte ich meine Klappe, auch wenn mein Schmetterlingsbauchgefühl mir sagt, dass die Abschiebung von Arigona wohl gesetzeskonform, menschlich gesehen aber nicht einwandfrei vertretbar ist. Oder sagen wir: nachvollziehbar.

Welchen Masstab nimmt man, wenn man Integration messen will. Oder Integrationswillen?